performance

Ausgangspunkt für die choreographische Recherche sind Zustände des Sich-Ekelns und der Abjektion: das Zurückziehen, Würgen, Wringen und Lachen. Wir entwickeln animalisch anmutendes Material und untersuchen Bewegungs-prinzipien wie Öffnen, Zittern, Erbrechen. Auch die Bewegungseinschränkung der Arme und Beine durch die Kostüme sind eine tänzerische und choroegraphische Herausforderung, denn dem Bewegungsspielraum sind enge Grenzen gesetzt. Gebärdenhafte Bewegungen können sich, nicht wie sonst auf die Arme, nur auf den ganzen Körper und das Gesicht beziehen.
Auch die Beschaffenheit des gesamten mit Matratzen ausgelegten Raumes macht viele Bewegungen – wie beispielsweise das Rutschen – unmöglich; jedoch ergeben sich durch den weichen Untergrund andere Aktionen wie das Fallen. Wir sind daran interessiert,
ein tänzerisches Vokabular zu entwickeln, welches fern von verzierenden Gesten der Gliedmaßen und ihrer Leichtigkeit ist.

Wir legen uns mit dieser Arbeit selbst einen Zwang auf, eine für uns neue Ästhetik zu entwickeln, die uns anfänglich unerträglich schien.
Zeitgleich zu diesen bewegungsanalytischen Untersuchungen kreisen wir in der Performance inhaltlich um das Phänomen der öffentlichen Zurschaustellung des Fremden und Abjekten. Dies geschieht nicht durch direkte Bezüge, sondern auf einer Abstraktionsebene, in der das Publikum anfänglich selbst eine voyeuristische Rolle einnimmt. Es werden Einblicke in eine fiktive Gesellschaft geboten, die durch ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, Rituale und Verständigungsformen zusammengehalten wird. Die Darstellerinnen entdecken im Laufe der Vorstellung die Anwesenheit des Publikums und durchlaufen verschiedene Strategien, um mit der Situation, in welcher sie als Fremdlinge und Andersartige wahrgenommen werden, umzugehen. Es entwickeln sich Aggressionen gegeneinander und auch gegen das Publikum – das etablierte gesellschaftliche Regelwerk zerbricht. Musikalisch wird das Geschehen durch kommentierende Sounds untermalt, die sich soundtrackartig zu einem skurrilen Gebilde formen.

Die Reflektion der Darstellerinnen über ihre eigene Rolle wird erst durch die Erkenntnis, sich vor einem Publikum zu befinden, angestoßen. Als Bewältigungsstrategie setzt bei den Darstellerinnen ein Abjektionsmechanismus gegenüber dem Publikum, den anderen Darstellerinnen und der eigenen Person ein. Diese Erkenntnis über die eigene Rolle und deren Wirkungsraum in einem größeren sozialen Gefüge wollen wir am Ende der Performance als Impuls für die Auflösung dieses Rollenverhältnisses einsetzen. Das Ziel einer Identitätsfin-dung durch den Prozess der Abjektion soll mit dieser Performance abstrakt zum Ausdruck gebracht werden.

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